Fragen über Fragen – Das war 2017

Inzwischen ist der Februar schon beinahe durch und mein Jahresrückblick kommt erst jetzt. Schande. Mit 2017 verging ein Jahr mit vielen Hochs, aber vornehmlich Tiefs. Vor allem aber kam ich 2017 überhaupt nicht zum Schreiben – ein Armutszeugnis. Daher folgt auf den 2016er Jahresrückblick direkt die 2017er Retrospektive. Wie in den letzten Jahren greife ich auf Don Dahlmanns Fragen-Katalog zurück, um zu resümieren. Das war mein 2017.

Beste Entscheidung:
2017 gab es wenige wirklich gute Entscheidungen, dafür umso schwerwiegendere, deren tatsächliche Tragweite und Folgen sich im Laufe des Jahres 2018 erst zeigen müssen. Es wird aufregend, es bleibt spannend. In letzter Konsequenz wird 2017 das Jahr des fundamentalen Neuanfangs und des schmerzvollen Kappens alter Verbindungen und das Aufbrechen gewohnter Strukturen. Trennung und eine neue Wohnung – in der derzeitigen Situation sind das für mich persönlich die besten Entscheidungen, um mein Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen und Herr sowie Schmied meines eigenen Glücks zu werden. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne […]“ wie es so schön in Hermann Hesses Stufen heißt.

Schlechteste Entscheidung:
Zu März 2017 kündigte ich den Vertrag meines Fitnessstudios. Ein Fehler. Seither geht es sportlich und körperlich bergab, mir fehlt ein fordernder Ausgleich, der dafür sorgt, dass ich die Balance halte. Bisher fehlen Zeit und Muße, wieder sportlich aktiv zu werden. Faule Ausrede …

Beste Anschaffung:
Keine Anschaffung im eigentlichen Sinne, aber die Anmietung meiner ersten eigenen Wohnung ist wohl ein gewaltiger Schritt in Richtung „Erwachsen werden“ – oder so. Es fühlt sich gut und richtig und frei an. Und die neue Grafikkarte für meinen Rechner war auch eine echte Wohltat.

Dämlichste Anschaffung:
Die mit Sicherheit dämlichste Anschaffung war die Miele-Waschmaschine für über 1.100 € Mitte November. Nicht, weil sie es nicht wert gewesen wäre; aber nach meinem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hatte ich denkbar wenig von der neuen Waschmaschine, sodass ich nur einen Monat später abermals eine neue Maschine bestellte. Was ein Irrsinn.

Schönster Absturz:
2017 war gut für das ein oder andere Versacken und Abstürzen. Sei es dieser eine sehr, sehr späte Donnerstagabend im Büro, die elbkind-Weihnachtsfeier, die auch um 04:00 Uhr nachts noch nicht enden wollte, der bierselige 30. Geburtstag meines Bruders oder privates Geplänkel in der Vorweihnachtszeit. Dazu Kippen und Bier, Gin Tonic und Vodka Cola und gute Gesellschaft – was braucht’s mehr?

Schlimmster Absturz:
Schlimme Abstürze gab es 2017 im Gegensatz zu den Vorjahren tatsächlich. Viel zu oft allein in einer verrauchten Bar, zu viel Bier und Zigaretten, während ich übers Smartphone hängend nach einer neuen Wohnung suchte. Immerhin war eine dieser Absturz-Wohnungssuchen von Erfolg gekrönt. Somit hatte es auch sein Gutes.

Bestes Getränk:
Wie 2015 und 2016: Bier, böhmisch. Wobei mich im letzten Jahr Hamburger und Berliner Rotbiere angenehm überraschten. Und wie gewohnt: klassischer Gin Tonic, ohne Schnickschnack oder Gemüse.

Ekelerregendstes Getränk:
Schlechtes Bier. Immer. Oder Mate.

Bestes Essen:
Ach, mit Essen hatte ich es 2017 nicht so sehr. Ich bin ohnehin kein guter Esser, ein guter Koch schon gar nicht.

Schlimmstes Essen:
Siehe oben. 2017 war nicht unbedingt das Jahr des Genusses für mich. Da war kein Raum für schlechtes Essen. Es ergab sich so viel Schlechtes, sodass mieses Essen in all der Schlechtigkeit schlicht unterging. Glück gehabt.

Beste Musik:
Schon wieder: Nocte Obducta. Das 2016er Album Mogontiacum lief rauf und runter. Anspieltipp: Desîhra Mogontiacum. Mit über 19 Minuten Spiellänge ist das mal wieder ein episches Stück in voller Nocte-Bandbreite. Ganz großes Kino.

Ein großer Dank gilt einem meiner Arbeitskollegen, der mich auf Ellende brachte. Seither lief die Todbringer in Dauerrotation. Atmosphärischer Black Metal aus Graz. Es ist schlicht großartig, was da an komprimierter Melancholie in Musik gegossen wurde. Für mich ganz klar ein Pflichtkauf.

Ellende Todbringer (2016) Limited Edition "Flower" Digipack-CD

Sonst hatte es mir die letzte Motörhead-Single angetan. Das David-Bowie-Cover Heroes ist immer wieder für eine Ganzkörper-Gänsehaut gut.

Schlimmstes Gejaule:
Ganz sicher wieder irgendetwas im Radio. Glücklicherweise lässt mich mein Gedächtnis nicht im Stich und ist unzuverlässig genug, um Scheiße vergessen zu machen.

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung:
Nach langer Abstinenz wieder voll Wonne mit Vintersorg, Graveworm, Ensiferum und Moonspell gespielt.

Peinlichster musikalischer Fauxpas:
Gab es nicht. Was soll an meiner Musik schon peinlich sein?

Beste Idee/Frage:
„Hast Du am Freitag schon was vor?“

Dämlichste Idee/Frage:
Zu glauben, Zeit könne helfen, Gräben zu überwinden. Scheiß Idee.

Beste Lektüre:
2017 war kein gutes Lesejahr für mich. Zu viel belastete mich links und rechts, vorn und hinten, oben und unten.

Langweiligste Lektüre:
Wohnungsanzeigen, Verträge, schlecht recherchierte Pressemitteilungen.

Bester, dreckigster, geilster Sex:
Wider Erwarten hielt die Vorweihnachtszeit eine angenehme Überraschung bereit. Und auch, wenn ich alles andere als ein Gentleman bin, so kann selbst ich schweigen und genießen.

Langweiligster Sex:
Mit mir selbst.

Schönster Moment:
Jede einzlene Sekunde, die ich mit meinem Sohn verbringen durfte. Sei es der Windelwechsel, das erste „Papa“ und „Auto“, die kindliche Begeisterung und Neugier, wenn es darum geht, Unbekanntes zu entdecken und kennenzulernen, die ersten Schritte an meiner Hand, die Begeisterung und das Lachen in seinem Gesicht, wenn er mit ausgebreiteten Armen auf mich zu stürmt und mich umarmt.

Schlimmster Moment:
Diese beschissene Situation, das Gefühl, meinen Sohn zurückzulassen, was sich anfühlt, als würde Dir jemand mit Anlauf zwischen die Beine treten. Diese unerträgliche Ohnmacht, die Ungewissheit, was die Zukunft bringt, der bohrende Gedanke, die getroffene Entscheidung könnte falsch sein – weil sie nicht nur fürs eigene Leben schwerwiegende Konsequenzen hat, sondern das gesamte Leben meines Kindes nachhaltig und für immer beeinflussen wird. Der schlimmste Schlag in die Fresse, den ich je erfahren musste. Das metaphorische Knie in meiner Magengrube nimmt mir Luft, Freude, Glück.

Zugenommen oder abgenommen?
Weder noch. Gehalten. Gewiss Muskel- durch Fettmasse ersetzt. Körpergefühl gekonnt ignoriert.

Mario von Berg, März 2017, Bode-Museum

Haare länger oder kürzer?
Alle vier bis sechs Monate geht’s zum Friseur. Das Haar wächst und es wird geschnitten. Circle of Life … oder so.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Kurzsichtiger.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Sehr viel. Zu viel. Immerhin will eine neue Wohnung eingerichtet werden.

Der hirnrissigste Plan?
Ich hülle mich in Schweigen. Täte ich es nicht, es käme nichts Gutes raus.

Die gefährlichste Unternehmung?
Im Rahmen meines „Arbeitstages mal anders“ wurde ich von elbkind auf den Spreewaldring losgelassen. Mit einem Formel-König-Rennwagen ging es auf die Piste. Saugeil.

Der beste Sex?
Oh, ja.

Die teuerste Anschaffung?
Wohnungseinrichtung.

Das leckerste selbst gemachte Essen?
Siehe oben. Mit Essen sah es 2017 dürftig aus.

Das beeindruckendste Buch?
Siehe oben. Es lief zu viel katastrophal schief, als dass ich hätte entspannt lesen können.

Bester Film/beste Serie?
Ich habe einige sehenswerte Filme auf dem Zettel, die ich im letzten Jahr verschlungen habe. Ganz oben steht mit weitem Abstand Logan. Dank Deadpool durfte der letzte Wolverine mit einem R-Rating an den Start gehen. Endlich gibt es einen Wolverine-Streifen, der so ist, wie alle vorherigen hätten sein sollen: hässlich und dreckig, brutal und konsequent, hoffnungslos und unbarmherzig.

Die beste CD?
Einige. Nach langen Jahren aber endlich die S&M von Metallica erstanden.

Das schönste Konzert?
Auch 2017 war ich leider auf keinem Konzert.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
… Arbeit, Wohnungssuche und meinem Sohn. Bedauerlicherweise auch in dieser Reihenfolge.

Die schönste Zeit verbracht…?
Mit meinem Sohn.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
2017 ist trotz des einen oder anderen Hochs mein absoluter Tiefpunkt. 2017 war so richtig schön kacke.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Beruflich ging und geht bei elbkind alles seinen guten Gang. ’17 haben wir die Mercedes-Benz.com redaktionell ordentlich nach vorn gebracht, sodass ich nach anderthalb Jahren sagen kann, dass das Ding nun endlich weitgehend rund läuft. Auch der YouTube-Kanal ist auf einem guten Weg. Nur privat war 2017 ein Totalausfall.

2017 zum ersten Mal getan?
Meinen Sohn in den Kindergarten gebracht, einen Formel-Rennwagen gefahren, den 30. Geburtstag meines Bruders standesgemäß gefeiert, mich von meiner Frau getrennt, eine eigene Wohnung bezogen und dies oder jenes mehr. Insgesamt hielt 2017 ’ne Menge erste Male bereit.

Mario von Berg, Juni 2017, Spreewaldring
Foto: Thiemo Kulzer

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Hier ist wohl wieder Schweigen angesagt. Und Genießen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
ein Trennungskind
diese beklemmende Leere
verschleppte Krankheiten

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich habe es aufgegeben.

2017 war mit einem Wort …?
Katastrophal.

Vorsatz für 2018
Ach, Vorsätze. Blödsinn.

Hier geht’s zu meinen früheren Rückblicken:

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