NaNoWriMo 2009 vor zwei Wochen beendet

Es ist nun schon zwei Wochen her, dass der diesjährige National Novel Writing Month 2009 mit dem 30. November 00:00 Uhr Ortszeit beendet wurde. Doch erst jetzt komme ich dazu, schnell einige wenige Gedanken hierzu los zu werden.

Wie man auf der rechten Seite sehen kann, zeigt das NaNoWriMo-Icon an, dass ich es geschafft habe. Doch, es war streckenweise ein Krampf, die 50.000 Wörter zusammen zu klauben. Schlimmer ist jedoch der Umstand, dass mein Text zwar ein Ende, aber trotz allem noch nicht fertig ist. Es fehlt noch an Substanz, es sind Episoden angedacht, die bisher nur angedeutet worden sind und überhaupt sind Teil II und III des Romans noch sehr unvollständig und fleddrig. Es heißt also, in den nächsten Monaten das Werk zu vervollständigen und zu beenden, um es anschließend großangelegt zu edieren. Das wird ein Spaß.

Nichtsdestoweniger habe ich wohl einige Textpassagen zu Papier gebracht, die mir sehr gut gelungen vorkommen. Ob dieses Gefühl bestehen bleibt während des weiteren Prozesses, bleibt abzuwarten. Wenn ja, spricht es für die Qualität. Dennoch bleibt letztlich ein fader Beigeschmack, den NaNoWriMo zwar gewonnen, aber mit einem unfertigen, halbgaren Text unterm Arm die Ziellinie überquert zu haben.

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NaNoWriMo 2009 – 24.11.

Bäh… Es macht so langsam keinen Spaß. Passagenweise, wenn es um Abstrakta geht, die sich schön ausstaffieren lassen, geht mir der Text recht flott von der Hand, aber sobald ich mich dem eigentlichen Plot widme und zwischenmenschliche Beziehungen thematisiert werden müssen, dann wird es dröge. Das macht keinen Spaß und wirkt wie ein Übel, das mit aufgenommen werden muss, weil es zur Handlung gehört. Völlig unspannend und demotivierend.

Derzeitiger Status: 39.004.

Das Problem: Heute sollten die 40.000 geknackt werden. Das werde ich wohl nicht schaffen. Ich hoffe – da ich mittlerweile seit dem letzten Wochenende einen Tag hinterherhinke – meinen Rückstand morgen wieder eingeholt zu haben.

Schreib-Depression NaNoWriMo 2009

Nachdem ich die 25.000er Marke überschritten hatte, lief es bisher nicht mehr allzu gut. Ich stocke derzeit, was den Ablauf des Plots betrifft. Ich habe das Gefühl, ich schreibe zu viel drum herum, statt mich des eigentlichen Themas zu widmen. Vielmehr sollte ich am Vorankommen der Handlung schreiben, aber ich graupe lieber in der Vergangenheit herum; in Verdun, Calais, Stalingrad und Berlin, dort, wo zwischen 1914 und 1945 Krieg herrschte. Klar, interessant ist es allemal und ich lerne auch hier und da etwas dazu, aber meiner Intention – der Ausarbeitung der Familientragödie in der Gegenwart – komme ich dadurch nur leidlich näher.

Ich hoffe, in den nächsten Tagen werde ich die Kurve noch kriegen können, bevor ich zu sehr von meinem Tagespensum abfalle. Als dass es nicht schon genug wäre, schreibe ich gerade diesen Beitrag, werkel nebenher an einem Gedicht herum. Ich sollte, bevor ich mich wieder in den Uni-Alltag stürze, versuchen, den einen oder anderen Absatz niederzuschreiben. Aber auch damit habe ich meine Probleme: Dieses eilige Niederschreiben, sich von Absatz zu Absatz hangeln, Masse, statt Klasse, Quantität steht über allem. Da bleibt mir die Liebe für den Text, die Qualitätssicherung etwas zu sehr auf der Strecke. Es wundert also nicht, dass ich mich häufig dabei ertappe, wie ich Korrekturen und Verbesserungen am Text vornehme.

Schauen wir, wie sich der diesjährige NaNoWriMo weiter entwickelt.

Aphrodisia

Aphrodisia

Der süßlich-herbe Duft der Unberührtheit, der meine Sinne umwarb, stieß mich in die Willenlosigkeit, ließ ungeahnte Triebe in mir auflodern. Woher nur kam dieser Duft? Wer ließ etwas derart Schönes so achtlos zurück? Wem entschwand dieser Wohlgeruch?

Einsam saß ich in meiner Wohnung am Küchenfenster, stierte in meinen viel zu dünnen Kaffee, den ich hätte wegschütten sollen, ihn aber aus der Überzeugung heraus, er würde mir gut tun, dennoch trank. Kaum etwas dürfte ernüchternder sein, als bei einer Tasse Kaffee erschrocken feststellen zu müssen, dass man sein Leben verspielt hat. Diesen Punkt hatte ich nun erreicht, aber irgendwie war es nicht von Belang.
Ich war schon lang allein, lebte recht zurückgezogen in einer beschaulichen Gegend in der Nähe des Stadtzentrums. Ich hatte nun ein Alter erreicht, in welchem es sinnlos erschien, nach einer paarungswilligen Frau zu suchen, um mein Erbgut weiterzugeben. Es war jedoch auch gleich und nichtig. Was hat die Welt an mir schon verloren? Ich lebte, um zu existieren, erfüllte keinerlei Zweck, diente weder der Gesellschaft, noch mir selbst. Mein Dasein ergoss sich gänzlich in Sinnlosigkeiten.
Mein Heim war der einzige Ort, an dem ich mich dauerhaft befand. Ich hätte beinahe behaupten können, ich hätte es geliebt. Die Einrichtung war alt, älter als ich, die Tapete vom Qualm des Tabaks vergilbt und an vielen Stellen rissig, aber dies verlieh dem Ganzen Charakter, ein gewisses Ambiente der Besinnlichkeit, von dem ich hoffte, es würde mir helfen, mich selbst zu finden. Wir beide, diese Wohnung und ich, waren uns in seltsamer Art und Weise ähnlich.

Das Gezwitscher der Meisen störte mich in meiner Konzentration, auch wenn es wenig gab, über das ich hätte sinnieren müssen. Obwohl ich es besser wusste, war ich dennoch darauf fixiert meinem Leben einen alles umfassenden Sinn zu verleihen, über welchen es sich lohnen würde, nachzudenken. Jedoch, was würde dies mir bringen und an meinem Leben ändern? Überhaupt, die Frage nach einem Sinn erschien mir fragwürdig. Es mag an meinem ohnehin negativ gestimmten Gemütszustand gelegen haben, aber ist es denn nicht so, dass es gar keinen Sinn gibt? Dass der ängstliche Mensch nur darauf bedacht ist, sich einen fiktiven Sinn aufzuerlegen, damit er sich der Illusion hingeben kann, nicht umsonst zu existieren? Rational gesehen, verdanken wir unser Dasein lediglich einer unglücklichen Verkettung launischer Zufälle. Diesen Gedanken kann ich insofern erweitern, dass ich zu dem Schluss komme, dass es sich bei dem alles auslösenden und für alles kausal verantwortlichen Zufall um Gott selbst handelt. Somit ist Gott ebenso ein Zufall und eine Laune seiner selbst. Dies würde wiederum ihn und seine Existenz negieren.

Mühevoll raffte ich mich von meinem schlecht gepolsterten Stuhl auf und lief den abgetretenen Gang auf meinem Teppich entlang. Und dann geschah es ein weiteres Mal. Dieser unausstehlich betörende Geruch, der einem Menschen gehörte, der völlig glücklich und unbekümmert sein musste, so leicht und schwungvoll und dennoch herb und stark war er, als wäre die dazugehörige Person gegen alles Schlechte dieser Welt gefeit. Es roch nach weiß und rosa, zugleich aber nach gelb und blau, dennoch bot sich mir in meinen Sinnen eine Einheit, ein Ganzes, das seines Gleichen zu suchen schien. Nie genoss ich etwas, das so perfekt und rein in seiner Erscheinung war. In mir sprudelte etwas, ein Gefühl, das ich schon beinahe vergessen hatte, etwas, das so lang in der Vergangenheit zurück lag, dass es einem wie nie gewesen erschien.

Mit geschlossenen Augen und meiner Nase nach vorn gereckt, tastete ich mich langsam und bedächtig durch meine Wohnung, immer dem Duft der Liebe nach. Vor meiner Wohnungstür hielt ich inne. Obwohl mir hätte klar sein müssen, dass dieser Duft nur von außerhalb kommen konnte, war ich dennoch überrascht, als ich plötzlich vor dieser Tür, die nach draußen in diese hässliche Welt führte, stand. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es etwas Derartiges dort in dieser, unserer Zeit geben sollte, das mich so fasziniert, dem ich willenlos verfallen war.

Ich öffnete das Tor zur Außenwelt. Der Duft wurde intensiver. Für einen Moment stand ich einfach nur auf der Schwelle und kostete diesen Augenblick aus. Selten und vor viel zu langer Zeit empfand ich eine solche Befriedigung, wie auf dieser Schwelle, die mich aus meinen Hort führte. Zurück versetzt in der Zeit sah ich mich als Heranwachsenden, geschmiegt an den Brüsten schöner Frauen, denen ich mich hingab, aber meine Seele, mein Innerstes nie an ihnen verlor. Mein Körper war gestillt von all den lästigen Trieben, mein Geist jedoch dürstete schon damals nach Höherem, hatte es aber bis heute nie erreicht. Aber dieser Duft ließ in mir die Hoffnung aufglimmen, von der ich dachte, sie läge vollkommen in grauem Dunst erloschen, als ich plötzlich diesen grausam ehrlichen Geruch gewahr, der Duft der innersten Erfüllung und Befriedung der tiefsten Sehnsüchte meiner selbst.

Wieder schloss ich die Augen und versuchte den wirren Schlaufen und Pirouetten des Duftbandes zu folgen. Mir war es, als schwebte ich durch ein Land, von dem ich als Jüngling einst träumte, einem Ort, an dem das Leben einfach war, schön und sinnlich. Nektar und Ambrosia, serviert von leicht bekleideten Schönheiten, bereit ihr seidenes Geheimnis zu lüften und Dich in die Kunst der Liebe einzuweihen.

Gelenkt von einer kindlichen Erregung schritt ich mit geschlossenen Augen durch den Hausflur auf der Suche nach der Seligkeit dieses Dufts.
Plötzlich hielt ich inne. Trotz geschlossener Augen gewahr ich die Anwesenheit einer anderen Person. Es war Sie, jenes grazile Geschöpf, das mich bereits seit Stunden betörte, ohne, dass ich sie jemals zuvor gesehen hatte. Ich spürte ihren Blick. Ich war gewillt meine Augen zu öffnen, den Höhepunkt der menschlichen Evolution mit meinen eigenen Augen wahrzunehmen.

Ein Kichern verhalf mir zurück, zurück zum Hier und Jetzt, wies mir den Pfad heraus aus meiner Gedankenwelt. Langsam hob ich meine Lider. Dort stand sie nun, strahlend braune Rehaugen, schon beinahe zu perfektes, klischeehaftes brünettes Haar, das leicht gewellt über ihren Schultern ruhte. Kindlich anmutende Sommersprossen säumten ihre Nase, ein verschmitztes Lächeln hastete für einen Augenblick über ihr Antlitz, als ich mich ihrer besann.

Alsdann drehte sie sich um und verschwand eilenden Schrittes im Korridor, das Mädchen, das ich von diesem Augenblick an liebte, ein Kind von acht Jahren.

Ich wusste, ich würde sie einst wiedersehen. Und vielleicht spreche ich sie an.

Kulturmensch

Kulturmensch

Der Gang erhellt unter den stechenden Schritten eines Mannes, der nur langsam, angestrengt anmutig, vorwärts gelangt. Die Gummisohlen seiner schwarzen Schuhe quietschen auf dem braunen Linoleumboden in unterschiedlichen Tonhöhen auf und ab und nur kurz blickt er in regelmäßigen Abständen auf, um nicht mit dem Gesicht voran gegen eine Betonwand zu marschieren. Sichtlich konzentriert versteift sich sein Blick in einem roten Büchlein, das umklammernd von seinen Händen stranguliert wird. Murmelnd rezitiert er Dialoge vor sich her: “ … die Pest getobt. Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben, Sie welkten hin, ich muss erleben Dass man die frechen Mörder lobt.“ Der Lesende stockt kurz, bleibt stehen und hält sinnierend sein Antlitz in das kalt flackernde Neonlicht. „Was der sich gedacht hat? Anders funktioniert es nicht. Die Forschung fordert ihren Tribut.“ Kopfschüttelnd vertieft er sich wieder in seine Lektüre, setzt gemächlich seinen Marsch fort. Sichtlich interessiert liest die steife Gestalt Passage für Passage, stets patrouillierend aufblickend.

Ein Husten zu seiner Linken zerfährt seine Konzentration, lässt ihn plötzlich aufschrecken. „Halt’s Maul, Kommunistenschwein!“ schießt es drohend aus dem Lesenden. Ein Schlucken wird vernehmbar und mit einem Hustenanfall ringend verstummt der Störfaktor.
Der boshafte Ausdruck seiner blauen Augen verschwindet, weicht zarten, beinahe menschlich wirkenden Zügen. Zögernd blickt er den Gang auf und ab, lässt sich langsam auf einen Bürostuhl sinken. Das rote Büchlein hervornehmend, gilt sein Hauptaugenmerk dem Fortlauf der Handlung. “ … glücklich! wer noch hoffen kann Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.“

Ächzend quält sich der Eisenbolzen aus dem Schloss, das Gittertor springt auf und eine uniformierte Person gelangt vom Dunkel eines Korridors in den Gang. Der Lesende springt hektisch auf, lässt das rote Büchlein auf den Boden fallen, steht stramm und reckt den rechten Arm empor ins Dunkel: „Heil Hitler!“