Blogger-Stilblüten – Orthographie und Grammatik im Weblog

Eine häufig bemühte Frage im Blogger-Dunstkreis ist die nach der Notwendigkeit makelloser Rechtschreibung. Was salopp mit „Rechtschreibung“ umrissen wird, ist jedoch tatsächlich ein sehr viel weiteres Feld, das nicht allein das korrekte Schreiben eines jeden einzelnen Wortes meint. Mir scheint, vielen ist nicht klar, wie groß dieses Feld ist und was es zur Ernte bereithält.

Woerterbuch_Orthographie

Das Schöne am Internet ist bekanntlich, dass jeder seine Meinungen, Erkenntnisse, Senftuben im Netz ausdrücken kann. Das Schlimme am Internet: Jeder drückt seine Senftuben aus. Was uns als Netzgänger nahezu grenzenlose Vielfalt und Buntheit garantiert, kann auch Fluch statt Segen sein. Denn nicht jedem liegt das Schreiben, klafft eine tiefe Schlucht zwischen Schreiben-Wollen und Schreiben-Können. Es geht mir auch nicht um absolute Fehlerfreiheit – die wird kein Blogger ohne angeschlossenen Lektor gewährleisten können. Und nie würde ich mir anmaßen zu behaupten, meine Texte seien fehlerfrei. Jedoch sollte ein Jeder seinem Leser eine gewisse Lesbarkeit seiner Texte schuldig sein. Und dazu gehört auch ein angenehmes Schriftbild, angemessene Sprache sowie weitestgehend grammatisch angewandtes Deutsch.

Besonders unangenehm und peinlich wird es, sobald es sich um einen Produkttest eines Bloggenden handelt. Gerade hier erschiene mir Sicherheit im Schreiben wichtig und notwendig. Denn immerhin könnten Fehlerfülle und wackliges Deutsch nicht nur auf den schreibenden Blogger selbst, sondern ebenso auf das Produkt zurückfallen.

Ohne jemanden an den Pranger stellen zu wollen, möchte ich hier exemplarisch einige Textpassagen zitieren, um an diesen aufzuzeigen, wie es meines Erachtens nicht aussehen sollte. Über diesen zitierten „Artikel“ stolperte ich im Verlauf des heutigen Tages. Solche Zeilen-Schluderei betrachte ich als inakzeptabel und halte eine solche mitunter für einen Grund, weshalb Blogger nicht überall auf Gegenliebe stoßen; seien es andere Blogger, „klassische“ Journalisten oder Hersteller- bzw. Industrie-Vertreter.

Aber gut, fangen wir mal an:

„Wenn die Abholung eines Testwagen die Stimmung trübt, ist dies bei uns immer ein gutes Zeichen das der Probant einen mehr als guten Eindruck hinterlassen hat.“

Wenn bereits im ersten, einleitenden Satz derart eklatante Fehler gemacht werden, vergeht mir als Leser frühzeitig das Interesse. Vier Unregelmäßigkeiten, landläufig „Fehler“ genannt, finden sich hier. Es fehlt ein Genetiv-s, ein Komma, ein typischer das-/dass-Fehler tritt auf und der Schreiber verfiel mit „Probant“ der deutschen Auslautverhärtung. Ein denkbar schlechter Start in einen Testbericht.

„Trotz seiner typischen Form eines Van’s ist er mit seinen Abmessungen ein Parkplatzfreundlicher Vertreter.“

Das sog. Deppenapostroph in Form eines Pluralapostrophs sowie die Großschreibung eines Adjektivs folgen kurz darauf und vertiefen den Eindruck, der Schreiber gehe nicht sicher mit der Schriftsprache um. Im weiteren Text-Verlauf häufen sich Komma-Fehler sowie getrennt geschriebene Komposita und machen den Text stetig schwerer lesbar.

„[…] und erzeugt damit […] kulante 200 Nm […].“

Wenn ich jetzt weit aushole, könnte ich darlegen, dass ich unter Berücksichtigung der im 18. Jahrhundert verwandten Kaufmannssprache schnell auf das französische ‚coulante‘ stoße, das ursprünglich ‚fließend‘ bedeutet. Das fließende Drehmoment von 200 Nm beschreibe also eine homogene Kraftentfaltung. So gesehen, wäre diese kulante Konstruktion stilistisch höchst ausgefeilt.

Dieses Szenario halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Hier wäre eine Kenntnis-Prise von Semantik und Etymologie sicherlich hilfreich. Nicht umsonst gibt es zig Nachschlagewerke allerorten im Netz.
In jedem Fall ist das letzte Zitat ein schöner Beleg für den Versuch, einen eloquent klingenden Gallizismus unter zu bringen. Überhaupt ist fraglich, welches Wort der Schreiber eigentlich hatte verwenden wollen. Korpulent, konsequent, kompetent?

Noch entspannter ist das Fahren wird der zwischen den vorderen Sitzen angebrachte ECO Schalter gedrückt wird.

Bei Fehlern wie diesen kommt schnell der Eindruck eines Schnellschusses auf. Husch, husch einen Text runterrotzen, im Schreiben plötzlich umformuliert oder im Gedanken schon beim nächsten Satz angelangt, kommt solcher Satzbrei heraus. Fehlendes Komma, doppeltes finites Verb, getrenntes Kompositum – eine Schleuderpartie für den Leser. Offenbar fehlte hier das letzte Korrekturlesen. Sicherlich hat Bloggen auch immer etwas mit einer gewissen Geschwindigkeit zu tun – sofern sich der Blogger dazu nötigen lässt; die Text-Qualität sollte darunter jedoch nicht leiden.

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4 Gedanken zu “Blogger-Stilblüten – Orthographie und Grammatik im Weblog

  1. Rita J.

    Wow, da haust Du aber ganz schön einen raus. Hast Du dir mal überlegt, diesem Schreiber einen Hinweis zu geben oder Hilfe anzubieten. Traust Du Dich wahrscheinlich nicht. Wäre ein Zeichen von Größe. Aber anonym ist es ja viel einfacher Leute anzuschwärzen!

    1. Guten Morgen Rita,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ich habe in der Vergangenheit bereits mehrmals unterschiedliche Blogger auf Fehler hingewiesen; keine Sorge, das ist keine Frage von Mut. 😉 Würde ich jedoch angesichts der Masse an Fehlern jedem betreffenden Blogger Korrekturen zukommen lassen, müsste ich dafür angesichts des eklatanten Zeitaufwands Geld verlangen. Der Aufwand steht zur bloßen Kollegialität in keinem Verhältnis.

      Übrigens bin ich mitnichten anonym unterwegs. Anschwärzen ist meine Sache ebenso wenig. Die zitierten Textpassagen sind exemplarisch für typische Fehler.

      Viele Grüße
      Mario

  2. Hast mich glatt neugierig gemacht. Können keine große Relevanz haben, die Verfasser. Denn ich habe nur eines der Textbeispiele mit Google gefunden.

  3. Pingback: Die Sache mit dem Rasenmäher, den persönlichen Voraussetzungen und der Qualität – Worte am Sonntag, Wochenrückblick #15-2014 - 1300ccm.de

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