Meinung – Gedanken zum neuen Toyota RAV4 Hybrid

Gedanken zum Toyota RAV4 Hybrid

Was lange währt, wird endlich gut? Toyota bringt mit dem Facelift der vierten Generation erstmals den RAV4 in einer Hybrid-Variante auf den Markt. Warum eigentlich erst jetzt? Und wenn es schon so lang dauerte, dann ist er doch bestimmt richtig, richtig gut, oder?
Gedanken zum RAV4 Hybrid – und darüber hinaus.

Um es vorweg zu nehmen: Die große Überraschung, der Aha-Effekt bleibt aus. Ob Toyota Yaris Hybrid oder Lexus GS 300h – die Hybride von Toyota/Lexus sind bekannt und bieten bewährte Kost. Und das ist keinesfalls schlimm. Außer Frage steht auch, dass der RAV4 – ob mit oder ohne angeflanschten E-Motor, ein gutes, zeitgemäß wirkendes SUV ist. Aber reicht es denn, einfach nur gut zu sein? Ob gut oder nicht; fahrerisch blieb bei mir die große Begeisterung aus, wie in meinem Fahrbericht zum Toyota RAV4 Hybrid nachzulesen ist.

Toyota RAV4 Hybrid Heckansicht

RAV4 Hybrid – Warum erst jetzt?

Es ist jedoch bemerkenswert, wie lang Toyota für ‘nen RAV4 Hybrid brauchte. 1994 kam die erste RAV-Generation auf den Markt und begründete das moderne SUV-Segment, das bis heute unentwegt wächst. 1997 dann erblickte der erste Prius das Licht der Welt und brachte uns das zeitgenössische Großserien-Hybridauto.
Es folgten Yaris Hybrid und Auris Hybrid.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Vorderansicht

Warum nur hat es Toyota verschlafen, das SUV-Segment als erster mit einem Hybrid-Modell zu bereichern? Nichts wäre logischer. Urbane Einsatzgebiete, hochgelegte Karosse, scharf gezeichnete Pseudo-Geländeoptik, Frontantrieb – nichts ist naheliegender, als ein kompaktes Stadt-SUV mit dem bekannten und in diversen Toyota- und Lexus-Modellen eingesetzten E-Antrieb zu koppeln.

Toyota Yaris Hybrid Frontalansicht

Toyota bedient damit diese Nische ausgesprochen spät, obwohl der verbaute Antriebsstrang seit 2012 in den japanischen Teileregalen schlummert. So waren es schließlich die Jungs und Mädels von Mitsubishi, die mit dem Outlander PHEV seit 2013 ein Plug-in-Hybrid-SUV anbieten und damit einfach mal die Vollhybrid-Übergangstechnologie übersprungen haben. Hier hat Toyota sich das Heft aus der Hand nehmen lassen. Der RAV4 Hybrid kam zu spät.

RAV4 Hybrid – Was Kollegen (heimlich) sagen

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Vorderansicht Sonnenuntergang

Die Japaner haben es in Deutschland nicht leicht. Hierzulande gelten Daimler, BMW und Audi, in Teilen VW, Ford und Opel. Der ganze Rest? Der findet sich unter ‚ferner liefen‘. Stets spannend ist es, den lieben Kollegen auf Presseveranstaltungen zu lauschen, zu denen Automobil-Hersteller geladen haben. Ich war zur Fahrveranstaltung und Pressepräsentation des neuen RAV4 Hybrid in Alicante, Spanien. Dort wurde ich erneut Zeuge des symptomatischen Gehabes deutscher Auto-Journalisten.

Befindet sich jemand im Gespräch mit einem Vertreter des Herstellers wird natürlich davon geschwärmt, wie toll das Gefahrene sei. Da werden einem Superlative um die Ohren gehauen, als ginge es bereits präventiv um die Bewerbung für die nächste Veranstaltung am spanischen Meer. Sicher ist sicher. Aber sobald die Journaille unter sich ist, sind die Exporteure wenig wert – ganz gleich, ob aus Japan oder Frankreich.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Heckansicht

Dieser voreingenommenen Attitüde konnte ich wunderbar unter den Kollegen an der Bar lauschen. Nach den ersten Gläschen ging das erste zaghafte Geläster los. Da stehst Du dann zwischen all den gestandenen Kollegen und kannst mithören, was Du in den Heftchen und Blättchen nicht zu lesen bekommst.

Hässlich sei er, der RAV4, beliebig und austauschbar; könnte ebenso gut ein Koreaner sein. Das Heck sehe nach nichts aus. Und überhaupt, sparsam sei er nicht. Über acht Liter auf 100 Kilometer habe der RAV4 Hybrid verbraucht, einige hätten sogar über zehn Liter verblasen.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Interieur

Klar kannste den Hybrid auf zehn Liter peitschen. Aber das zeugt nur davon, dass Du das Auto, den Hybrid-Antrieb nicht verstanden hast. Permanent auf’m Gas stehen, sich über den hochdrehenden Motor aufregen – der in Wahrheit im RAV4 Hybrid diesbezüglich wirklich zurückhaltend agiert – und sich wundern, wenn bei permanent hochtouriger Fahrweise der Verbrauch zweistellig wird. Und dieses CVT-Getriebe erst – Teufelszeug!

„Hybrid ist in dieser Fahrzeugklasse doch total sinnlos. Da muss ein gescheiter Diesel her.
Und überhaupt: Wieso kauft Toyota den Dieselmotor von BMW zu? Entwickeln die keine eigenen Selbstzünder mehr? Und wieso gibt es weder Allrad noch Automatik für den Diesel?“

Toyota RAV4 Hybrid Seitenansicht

Toyota sagt ganz offen: Wer Allrad und Automatik haben möchte, muss sich eben für den Hybrid entscheiden. Die heilige Diesel-Kuh dagegen befindet sich auf dem Weg zur Schlachtbank. Toyota entwickelt zwar noch Diesel selbst, aber das sind dann eher Arbeitsmaschinen, etwa den 2.8-Vierzylinder im 2014 aufgefrischten Land Cruiser (J15).
Aber machen wir uns nichts vor: Der Diesel ist großteils ein europäisches, ein deutsches Phänomen, das sonst nur wenige in der Welt juckt.

Hybrid: Toyota macht’s richtig – Nieder mit dem Diesel

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Heck-Logo

Ohne Diesel würde zumindest ich nichts vermissen. Toyota tut recht daran, den Diesel sterben zu lassen. Denn eigentlich ist der Diesel bereits tot; ein Trekker- und Landwirtschaftsmotor, dessen Leistungsmangel nur mittels Turbolader und Direkteinspritzung auf Kosten der Abgaswerte auszumerzen ist, was wiederum zur Folge hat, dass mit SCR-Katalysator, Dieselruß-Partikelfilter und der fröhlichen AdBlue-Harnstoff-Lösung der Dreck in den Griff bekommen werden muss. Ihr wisst schon: Wichtig ist, was hinten raus kommt.

Die Technik, die notwendig ist, um den Diesel halbwegs reinlich zu halten und fahraktiv zu machen, ist derart komplex, dass es reihenweise zu Problemen kommt. Diesel verbrennt unter starker Rußbildung. Dieser Ruß bleibt nicht nur im Partikelfilter hängen. Drosselklappe, Abgasrückführung (AGR), DPF – diese Teile verkoken, verrußen sehr gern. Das ist nicht nur ’ne Menge Dreck, das sorgt auch für Leistungsverlust, unrunden Motorlauf und in Extremfällen zu Schäden am Motor.

Darunter leidet auch der Benziner. Plötzlich ist er ohne Turbo und ohne Direkteinspritzung nicht mehr gut genug. Jaja, auf dem NEFZ-Prüfstand ist der olle Turbo effizienter, aber in freier Wildbahn? Und Direkteinspritzung sorgt dafür, dass der feiner zerstäubte Sprit zwar effizienter in den Brennkammern verbrannt wird und sogar für Mehrleistung sorgt; aber die Partikel im Abgas …

Kurzum: Toyota begeht keinen Fehler, wenn die Japaner den Diesel sterben lassen. Für Europa werden selbstverständlich noch Selbstzünder angeboten, aber diese werden inzwischen zugekauft. Warum viel Geld in der Motorenentwicklung für einen Nischenmarkt verbrennen?

Zur Pressepräsentation des Toyota RAV4 Hybrid in Alicante, Spanien wurde ich von Toyota Deutschland eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung und den hier veröffentlichten Artikel.

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Ein Gedanke zu “Meinung – Gedanken zum neuen Toyota RAV4 Hybrid

  1. Weber

    Richtig so! Die deutschen Hersteller sind langsam dabei das Thema „Hybrid“ zu verstehen, tun sich aber doch noch ziemlich schwer dabei. Blöd auch wenn man sich voll auf die PS-Schiene konzentriert – wen interessiert schon die Umwelt – und alternative Entwicklungen verpennt. Sieht man ja auch gut am Beispiel E-Auto.
    Für mich war das neben den völlig überzogenen Preisen ein Grund einen Toyota Hybrid zu kaufen, denn sie haben die Übergangslösung zum E-Auto qualitativ perfektioniert – und – er fährt sich super und es zaubert ein grinsen im Gesicht wenn beim Verbrauch mal eine 3 vor dem Komma steht, ansonsten maximal ne 4. Das ist schon sehr beeindruckend!

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