Im Fahrbericht: Der Citroën DS3 Racing S.LoebEdition

Zwei Wochen stand er mir als Testwagen zur Verfügung; ein Testzeitraum, der ruhig hätte länger währen dürfen. Der Citroën DS3 Racing bildet die Speerspitze im Kleinwagen-Segment des französischen Automobilbauers Citroën und verdeutlicht eindrucksvoll, was sportlich ambitionierte Stadtflitzer bieten können: très chices Design sowie sportliche Performance kombiniert mit einem Schuss Alltagstauglichkeit. Die Sache hat hier jedoch gleich zwei Haken: die Limitierung und den Preis.

Tief, breit, mattschwarz. Was zunächst nach Hinterhof-Tuning klingt, macht aus dem eleganten DS3 eine aggressive Diva. Das suggeriert jedenfalls der erste Blick. Die Aufmachung gerät dabei keinesfalls zum Selbstzweck und wirkt keineswegs billig oder prollig. Klar, der DS3 Racing zeigt, was er hat; aber ohne anzugeben. Wer hat, der kann. Und wie sich zeigen sollte, gab sich die Sportversion des DS3 weder divenhaft noch ausgesprochen aggressiv. Er kann, wenn ich es will. Und gerade, weil er kann, will ich nicht immer. Gelassenheit und Zurückhaltung stehen dem Citroën DS3 Racing ebenso gut zu Gesicht wie das hiesige Kurvenräubern und Asphaltpflügen über Brandenburger Landstraßen.

Die mattschwarze Folie wirkt hochwertig und ginge gut und gern als Lack durch. Das Rot von Dach, Spiegeln und Teilen des Kühlergrills mit dem integrierten Doppelwinkel kennzeichnen das exklusive Sondermodell. Eine verbreiterte Spur und die Tieferlegung versprechen eine optimierte Straßenlage.

Was ich auf den ersten Blick vermisste: Xenon-Scheinwerfer. Zumindest optional sollten die Xenon-Brenner zur Wahl stehen.

Auch im Innenraum geht es sportlich zu. Die roten Akzente des Exterieurs finden ihre Fortführung im Interieur; dies gilt gleichfalls für die vielen kleinen Schriftzüge, die den DS3 zieren. Das Armaturenbrett ziert eine rot lackierte Oberfläche, in welche das Display der Multimedia-Einheit stimmig eingelassen ist.

Ein Blickfang sind die Sportsitze in dunklem Alcantara mit ihren integrierten Kopfstützen. Auch hier wieder: rote Akzente. Entgegen meiner Befürchtung erwiesen sich die Sitze als durchaus bequem und langstreckentauglich. Allerdings war der Seitenhalt für meinen schlanken Körperbau nicht so gut, wie erhofft. Auch sind die Seitenwangen der Sitzfläche zu weich und nachgiebig.

Und – wie sollte es auch anders sein – gefällt das Lenkrad durch seine sportive Aufmachung. Keine Multifunktion – klasse. Stört ohnehin nur während der Kurvenhatz. Im Detail jedoch offenbaren sich Schwächen. Die zwei verwandten Lederarten – optisch gefällig – fallen haptisch zu hart und glatt aus. Es erfordert also einen festen Griff, um nicht durch die Hände zu rutschen – was es allzu gern tut.

Und wie fährt er sich nun? Nicht anders, als erwartet. Und die Erwartungen waren hoch. 207 PS generiert der DS3 Racing aus seinem kleinen, 1.598 cm³ starken Motor, zusätzlich durch einen Turbolader beatmet und mit Direkteinspritzung gesegnet. Unter Zuhilfenahme dieser Zutaten zerren 275 Nm an der Vorderachse, beschleunigen den kleinen Franzosen aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf 100 km/h. Erst bei 235 ist Schluss (aufgrund der montierten Winterreifen konnte diese Angabe jedoch nicht überprüft werden). Aber unter uns: Auf der Autobahn bei Hochgeschwindigkeit fühlt sich der DS3 ohnehin nicht wohl. Er ist ein Landstraßentier, das auch innerstädtisch jede Menge Freude bereitet.

Freilich versprechen schon die Daten auf dem Papier sportliche Fahrleistungen und energischen Vorwärtsdrang. Die Frage, die sich stellt und nur in der Praxis überprüft werden kann, ist, ob und wie ein Kleinwagen mit einem solchen Überfluss an Leistung zurecht kommt. Kann der Citroën DS3 Racing S.LoebEdition die abgerufene Leistung auf die Straße bringen? Kurzum: Er kann.

Das ab 2.000 Umdrehungen früh anliegende maximale Drehmoment begleitet den Fahrer über ein breites Drehzahlband, dreht hoch bis auf knapp über 6.000 Touren. Mit Feuereifer macht sich der DS3 daran, die Drehzahlleiter zu erklimmen – zügig den Gang gewechselt, das kurze Auspuffgrummeln beim Zwischengas genossen und mit mächtig Schub weiter die nächste Kurve anpeilen. Scharf angebremst, den zweiten Gang eingelegt und das Gefühl genießen, wie der Racing-Citroën sich selbst aus der Kurve zieht.

Die Antriebseinflüsse in der Lenkung sind teils nicht ohne und mahnen den Fahrer zur Aufmerksamkeit. Denn diese – ganz Diva – fordert der DS3 Racing. Für Unachtsamkeit ist kein Platz, sonst entzieht sich das Lenkrad den Fahrerhänden.

Kurz und knackig geht es durch die Schaltgassen. Der Schaltvorgang selbst ist dadurch gekennzeichnet, dass er nicht zu glatt vonstatten geht und mit einem wohldosierten Widerstand Rückmeldung an den Fahrer gibt; aber dennoch schnelles Schalten zulässt.

Eine Schattenseite bietet das ESP. Es regelt recht früh sehr viel Leistung weg. Abbiegen in der Stadt, in den zweiten Gang geschaltet, kurzes Scharren mit dem kurveninneren Rad – und der DS3 Racing verschluckt sich an der eigenen Leistung. Sukzessive regelt das ESP die Leistung weg. Dabei muss das nicht sein. Denn mit ausgeschalteter Fahrdynamikregelung bleibt er meist gut beherrschbar. Allerdings ließ ich die Systeme wegen des herrschenden Dauerfrosts die meiste Zeit aktiviert. Aber gelegentlich konnte ich es verantworten, die Spaßbremse zu deaktivieren und den DS3 ein wenig mehr mit den Hufen scharren zu lassen.

Was bleibt? Der Citroën DS3 Racing S.LoebEdition macht einen Heidenspaß und unterbreitet dem Fahrer permanent das unmoralische Angebot, die zur Verfügung stehende Leistung abzurufen. Es bereitet ihm diebische Freude, seine sportlichen Gene nicht nur optisch zur Schau zu stellen, sondern auch klanglich und fahrerisch nach Aufmerksamkeit zu heischen. Mitunter scheint er exhibitionistisch veranlagt. Die Reaktionen fallen entsprechend aus. Zustimmung und Ablehnung erlebte ich mit dem DS3 gleichermaßen, wobei Zustimmungen spürbar überwogen. Die Anerkennung eines Golf V GTI-Fahrers auf der Autobahn zum Abschied, als ich die Ausfahrt nahm, ist vielleicht das größte Lob für den Citroën DS3 Racing, das ich erfuhr.

Weitere Stimmen zum Citroën DS3 Racing gibt es hier:

| „Auto .. geil“ | Rad-ab.com | passion:driving | motor-inside.com | Motoreport.de | autoaid |

Übersichtliche Informationen zum DS3 gibt es auch auf der Hersteller-Webseite.

technische Daten Citroën DS3 Racing THP 200 S. Loeb Edition
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Benzinmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.598 cm³
max. Leistung 152 kW/207 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment 275 Nm bei 2.000 U/min
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 6-Gang-Schaltgtriebe
Serien-Bereifung 215/40 R18
Beschleunigung 0–100 km/h 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Länge / Breite / Höhe 3.962 mm / 1.717 mm / 1.443 mm
Radstand 2.452 mm
Leergewicht minimum 1.240 kg
max. Zuladung 432 kg
Kofferraum-Volumen ca. 285 l
Verbrauch innerorts/außerorts 8,7 l/4,9 l Super Plus
Verbrauch gesamt 6,4 l Super Plus
Test-Verbrauch gesamt 9,75 l Super Plus
CO2-Emissionen 149 g/km
Tankinhalt 50 l
Grundpreis 33.099,- €
produzierte Einheiten 200
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Ein Gedanke zu “Im Fahrbericht: Der Citroën DS3 Racing S.LoebEdition

  1. Pingback: Fahrbericht: Audi S3 Limousine – Kickaffe – Nachtigall, ick hör' Dir trapsen

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